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Wildbienenportrait Februar 2024

Flockenblume - Langhornbienen

Flockenblumen-Langhornbiene

(Eucera dentata, GERMAR, 1839)

Wenn jetzt Sommer wär… Besonders in der kalten Jahreszeit tröstet die Vorfreude auf längere Tage und warme Temperaturen. Dann, wenn Tiere und Pflanzen auffallend ihre Vielfalt zeigen.

Vor allem die Welt der Wildbienen vermag es, uns jedes Jahr aufs Neue zu überraschen. Mit viel Glück könnte dieses Jahr die Flockenblumen-Langhornbiene eine dieser Überraschungen sein. 

Die frisch geschlüpften Bienen dieser Art fallen durch ihren ziegelroten Buckel auf. Besonders imposant sind die für Langhornbienen typischen, stark verlängerten Fühler der Männchen. Diese haben zudem einen hell-gelben Kopfschild, wie wir ihn auch von Pelzbienen kennen. Ihre wissenschaftliche Artbezeichnung „dentata“ bedeutet so viel wie „gezähnt“. Sie verweist auf die kleinen dornenartigen Fortsätze der Männchen am Hinterleib. 

Flockenblumen-Langhornbienen sind echte Sandliebhaber. Vor allem in großen Sandgebieten fühlen sie sich wohl. Dabei verweilen und nisten sie gern in Sand- und Lehmgruben sowie an Hochwasser-Dämmen.

Falls vorhanden, nutzen sie auch den lückigen Bewuchs von trockenwarmen Weinbergen. Die Weibchen nisten zudem auch gern auf Ackerbrachen von Stilllegungsflächen.

Mittlerweile finden wir diese sehr seltene Biene nur noch im nordostdeutschen Tiefland.

 

Kuckucksbiene am Schlafplatz mit Eucera dentata (=Tetralonia dentata) Männchen ©albert-krebs
Kuckucksbiene am Schlafplatz mit Eucera dentata (=Tetralonia dentata) Männchen ©albert-krebs
Weibchen auf Centaurea valesiaca ©smu-dominik-jentzsch
Weibchen auf Centaurea valesiaca ©smu-dominik-jentzsch

Vor allem durch den Verlust ihres Lebensraumes ist die Art in Deutschland mittlerweile als „stark gefährdet“ eingestuft. Die besten Bedingungen, ihre Nachkommen zu sichern, findet sie in Brandenburg. Hier gilt sie „nur“ als „gefährdet“. Doch es gibt Hoffnung: In den Jahren 2020 und 2021 wurde die Art im Jerichower Land und im Landkreis Wittenberg in Sachsen-Anhalt wieder-entdeckt. 

Als echte Sonnenanbeter fliegen Flockenblumen-Langhornbienen von Juli bis August. Die Männchen patrouillieren dabei im schnellen Flug auf Bahnen, die entlang ihrer Nektarquellen verlaufen. Hier hoffen sie, paarungsbereite Weibchen anzutreffen. Nach einer erfolgreichen Begattung sind die Arbeiten des Brutgeschäftes für die Männchen erledigt. 

Die Weibchen investieren hingegen erheblich mehr: Für ihren Nach-wuchs graben sie eigenständig kleine Gänge in sandige oder lehmige Böden. Die kurzen Bodengänge enden in den Brutkammern. Diese versieht das Weibchen jeweils mit einem Pollenbrot, bestehend aus einem Pollen-Nektar-Gemisch. Auf das Pollenbrot legt sie ein Ei. 

Den Futtervorrat für ihren Nachwuchs beschafft das Weibchen an einer Handvoll Pflanzenarten. Wie auch ihre nahen Verwandten ist sie eine Nahrungsspezialistin. Ihre deutsche Namensgebung verweist bereits auf ihre Vorliebe. Neben den filigraneren Rispen- und Skabiosen-Flockenblumen besucht sie gern Weg- und Eselsdisteln. 

Um der Flockenblumen-Langhornbiene unter die Flügel zu greifen, bietet es sich daher an, die heimischen Korbblütler auch im eigenen Garten zu pflanzen. Das Spannende daran: Davon profitieren gleichzeitig zahlreiche andere Wildbienenarten! Allein an der Rispen-Flockenblume und Skabiosen-Flockenblume sammeln 46 unterschiedliche Wildbienenarten Pollen. Darunter sind auch viele spezialisierte Arten. 

Flockenblumen-Langhornbiene (Eucera-dentata) - Verbreitung in Deutschland ©smu-dominik-jentzsch
Flockenblumen-Langhornbiene (Eucera-dentata) - Verbreitung in Deutschland ©smu-dominik-jentzsch
20220717 Skabiosen-Flockenblume ©ifuhrmann
Skabiosen-Flockenblume ©ifuhrmann

Die Flockenblumen bevorzugen sonnige Standorte. Dank ihrer langen Wurzeln kommen sie auch mit längerer Trockenheit zurecht. Das macht sie somit noch interessanter für die klimafitten Gärten der Zukunft.

Weitere Tipps zum bienenfreundlichen Gärtnern finden Sie unter www.wir-tun-was-fuer-bienen.de und www.deutschland-summt.de. 

Schnelle Fakten:

NameFlockenblumen-Langhornbiene (Eucera dentata, GERMAR, 1839) 
Flugzeit Juli–August 
Lebensraum trockenwarme Biotope; Sand- und Lehmgruben, Hochwasserdämme, Weinberge, Ruderalflächen 
Nahrung spezialisiert auf Korbblütler; Vorliebe für Rispen- und Skabiosen-Flockenblumen, Weg- und Eselsdisteln 
Nistweise nistet unterirdisch in selbstgegrabenen Nestern 
Kuckucksbienen hierzulande nicht bekannt 
Gefährdung gilt allgemein als „stark gefährdet“, in Brandenburg als „gefährdet“, in Berlin als „vom Aussterben bedroht“; Wiederfund in Sachsen-Anhalt 
Besonderheiten lange Antennen der Männchen 

Literatur

Bellmann, Heiko & Helb, Matthias (2017): Bienen, Wespen, Ameisen; Kosmos Verlag, Stuttgart.

Hemmer, Cornelis & Hölzer, Corinna (2017): Wir tun was für Bienen; Wildbienengarten, Insektenhotel und Stadtimkerei; Kosmos Verlag, Stuttgart.

Saure, C., Rolke, D., Förster, J. (2022): Ergänzungen zur Stechimmenfauna des Landes Sachsen-Anhalt (Hymenoptera: Aculeata); Entomologische Mitteilungen Sachsen-Anhalt 30, Heft 1: 45-51.

Scheuchl, Erwin & Willner, Wolfgang (2016): Taschenlexikon der Wildbienen Mitteleuropas; Alle Arten im Porträt; Quelle & Meyer Verlag, Wiebelsheim.

Westrich, Paul (2019): Die Wildbienen Deutschlands; 2. Auflage, Ulmer Verlag, Stuttgart.

Wiesbauer, Heinz (2017). Wilde Bienen; Biologie, Lebensraumdynamik von über 470 Wildbienen Mitteleuropas; 2. Auflage, Ulmer Verlag, Stuttgart.

Die spannende Portrait-Texte inkl. Illustration stammen von Ann-Kathrin Scheuerle von der Stiftung für Mensch und Umwelt (Deutschland summt) und wurden uns freundlicher Weise zur Veröffentlichung zur Verfügung gestellt:

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